Der sogenannte Langenselbolder Münzschatz aus der Sammlung der Städtischen Museen Hanau geht zur wissenschaftlichen Bearbeitung an das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Übergabe umfasst die Inventarisierung, Fotografie und Digitalisierung von 491 Münzen und soll die Grundlage für eine frei zugängliche Online-Präsentation bilden.
Fund und historische Einordnung
Der Fund besteht aus einem kleinen Keramiktopf mit Silbermünzen, der nach dendrochronologischen und kunsthistorischen Einschätzungen um 1120 versteckt wurde. Entdeckt wurde das Gefäß im Juli 1958 bei Arbeiten an einem Kabelgraben auf dem Marktplatz von Langenselbold. Die Mehrheit der Münzen sind Pfennige beziehungsweise Denare, die vorwiegend in der Münzstätte des Erzbistums Mainz geprägt wurden. Vertreten sind unter anderem Münzen aus der Prägung von Heinrich IV, Heinrich V sowie den Erzbischöfen Ruthard und Adalbert I.
Die Bedeutung des Fundes war zunächst nicht erkannt worden. Dass ein Grossteil der Funde für die Forschung erhalten blieb, ist der Initiative des damaligen Kulturamtsleiters und Bodendenkmalpflegers Dr. Karl Dielmann zu verdanken. Ein Teil des Fundes gelangte in private Hände. Eine erste wissenschaftliche Beschreibung erschien 1960 in den Hanauer Geschichtsblättern durch Wolfgang Heß.
Wissenschaftliche Bearbeitung und Digitalisierung
Die nun vereinbarte Untersuchung soll aktuelle Methoden der Mittelalter-Numismatik nutzen. Kustos Dr. Patrick Breternitz und der Mitarbeiter Arthur Hampel vom Münzkabinett übernehmen die wissenschaftliche Bearbeitung sowie die Digitalisierung und Fotodokumentation der 491 übergebenen Münzen. Ziel ist es, die Daten und Abbildungen Forschenden und Interessierten zugänglich zu machen.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky begrüßte die Kooperation zwischen den städtischen Museen und dem Münzkabinett. Er betonte, dass die Bestände in den städtischen Depots herausragende Funde enthielten und dass die Erforschung und Digitalisierung des Schatzes die wissenschaftliche Nutzung erleichtere. Dr. Markus Häfner, Leiter der Städtischen Museen Hanau, sagte, die erarbeiteten Daten und Fotografien würden voraussichtlich im Jahr 2027 online verfügbar sein.
Lokale Bedeutung und Präsentation
Auf lokaler Ebene begleitet der Verein für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold 1972 e.V. die Forschungen. Der Verein und sein Heimatmuseum zeigen in der Dauerausstellung Repliken der Münzen; das Museum befindet sich seit 1983 in der ehemaligen Isenburgischen Zehntscheune der Schlossanlage Langenselbold. Der Verein hat nach eigenen Angaben mit großem Interesse die weiteren Untersuchungen verfolgt.
Die Übergabe des Fundes erfolgte formal durch Dr. Markus Häfner und Sammlungsleiterin Beate Alice Hofmann an Arthur Hampel. Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung in Berlin soll der Langenselbolder Münzschatz besser erschlossen werden und künftig für Forschung und Öffentlichkeit leichter zugänglich sein.
Quelle anzeigen

